WirLesen

»GOTTES KLEINER KRIEGER«: WIR LESEN!

Die Inszenierung »Gottes kleiner Krieger« hat zwar erst am 18. Mai 2013 Premiere, aber wir bereiten uns jetzt schon darauf vor. Und wie könnte man sich besser auf etwas vorbereiten, als ganz von vorne anzufangen, am Ursprung des Ganzen? Genau, wir lesen! Denn »Gottes kleiner Krieger« basiert auf dem gleichnamigen Roman von Kiran Nagarkar und der ist stolze 704 Seiten dick und da muss man ja wirklich früh anfangen um rechtzeitig fertig zu sein. [mehr]

Minigolf mit Spaceman Spiff

Endlich nichts – oder: Minigolf mit Spaceman Spiff

Auf dem Weg zur Kleingolfanlage in Freiburg-Waldsee: M. Kaiser und S. Spiff (Foto: K. Feldhaus)

Nachdem Hannes Wittmer alias Spaceman Spiff im Frühjahr allein mit seiner Gitarre in Freiburg zu hören und zu sehen war, kommt er nun mit Unterstützung zurück: Diesmal wird alles bunter, lauter und abwechslungsreicher. Auf der Herbsttour hat der Hamburger Singer-Songwriter nämlich seine Band im Schlepptau. Gemeinsam mit ihr wird er sein neustes Album »Endlich nichts« am 8. November im Werkraum des Theater Freiburg präsentieren.

Michael Kaiser, Künstlerischer Leiter des Werkraums, traf Hannes zu einem Interview-Schrägstrich-dramatischen-Kleingolf-Match, bei dem zwischen den Abschlägen trotz der körperlichen und geistigen Extremleistung noch genügend Raum für Fragen zu Hannes’ Musik und seiner neusten Platte blieb (fotografisch dokumentiert von Kathrin Feldhaus).

Interview an der Bahn (Foto: K. Feldhaus)

(Bahn 1: Hannes 2, Michael 3 Schläge)

Michael: Wenn ich deine Alben höre, singt da ein junger Mann Ende zwanzig Lieder, deren Fundament oft die Wehmut ist. Auf der Bühne habe ich dich ganz anders kennengelernt – amüsant und energetisch …

Hannes: Es ist mir wichtig, dass ich mich da nicht hinstelle, ein todtrauriges Lied spiele, zwischendurch betroffen guck und dann das nächste todtraurige Lied spiele. Ich möchte mich nicht abgrenzen vom Publikum und den in sich gekehrten Denker geben, sondern eine Nähe aufbauen, indem ich einfach so bin, wie ich bin. Und ich bin halt dieser normale Typ, der sich wie andere normalen Typen auch Gedanken macht. Nur dass ich die eben in meinen Liedern verwurste.

Aus »Melancholie und ich«:

und zwischen all den menschenhäusern
brennt noch immer licht
melancholie und ich
mal wieder hand in hand
richtung unbekannt …

Michael: Wo versteckt sich dann der wehmütige Singer/Songwriter-Typ?

Hannes: Der steckt auch in mir, ab und an, aber nicht rund um die Uhr. Ich glaube, dass ich im Grunde gerade nicht dieser wehmütige Mensch bin, weil ich ein Ventil habe. Über meine Texte kann ich die Wehmut nach außen treiben und muss nichts in mich hineinfressen.

Michael: Nervt das eigentlich, wenn man immer so gelabelt wird, nach dem Motto »Endzwanziger singt traurige Lieder«?

Hannes: Erst nervt es, aber dann gewöhnt man sich dran. Ich label ja genauso, wenn ich selbst neue Musik höre. Du suchst wahrscheinlich zuerst immer das Bekannte im Fremden und bewertest das Neue im Stil von »klingt wie eine Mischung aus … und …«.

6/18 (Foto: K. Feldhaus)

Michael: Ich habe bei deinen Songs oft das Gefühl, dass du in ihnen diesen flirrenden Moment einfängst, kurz bevor man wichtige Entscheidungen trifft. Diese Sekunde, in der die Zeit stillsteht und einem tausend Sachen durch den Kopf gehen.

Hannes: Auf der neuen Platte gibt es sogar einen Song, in dem es explizit um dieses Thema geht. Der heißt »Bevor der Konjunktiv gewinnt« und beschreibt den Punkt, kurz vor der Entscheidung, wenn es noch in die eine oder andere Richtung umkippen könnte.

Aus »Bevor der Konjunktiv gewinnt«:

es fehlen nur noch ein paar runden
bevor der konjunktiv gewinnt
nur noch ein paar sekunden
und heut wär wieder nur ein
tag wie jeder andere

Michael: Als Teenager war mein Traumjob so etwas wie »Rockstar« zu werden. Lebst du jetzt meinen Jugend-Traum?

Hannes: Es ist ein phantastischer Job – wahnsinnig aufregend und ein totales Geschenk. Großartig finde ich zum Beispiel, wenn mir Menschen E-Mails schreiben und sich dafür bedanken, dass man ihnen durch eine schlechte Phase geholfen habe. Aber das Bild dieses Berufs ist natürlich auch verklärt und es gibt Seiten an dem Job, die nicht so cool sind. Du musst zum Beispiel unendlich viel Papierkram erledigen und als Selbständiger hast du oft das Gefühl, dass du eigentlich gerade noch ein bisschen mehr machen müsstest. Und dann gibt es da noch die klassischen Künstlerprobleme. Wie: Oh Gott, jetzt habe ich gerade meine letzte Platte veröffentlicht und das war alles, mehr ist nicht in mir drin. Mehr wird mir nie wieder einfallen.

Nett hergerichtet: Blumendeko auf der Anlage (Foto: K. Feldhaus)

(Bahn 9: Hannes 24, Michael 37 Schläge)

Michael: Der aktuelle Spielstand zeigt, dass du mal Sport studiert hast …

Hannes: Ja, zwei Semester. Merkt man, ne? Bevor ich studiert und abgebrochen habe, wollte ich ja von der Musik leben, im Grunde hatte ich da den gleichen Rockstar-Traum wie du. Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass es die Musik nicht besser macht, wenn du es zu hart versuchst. Eigentlich hatte ich den Traum dann auch schon aufgegeben. Ich habe Konzerte veranstaltet und in Clubs gearbeitet, und weil es in Hamburg tausend Booking-Agenturen, Clubs und Labels gibt, bin ich dorthin gezogen. Ich stellte mir ständig die Frage: Was willst du aus deiner Zukunft machen? Aus dieser Ungewissheit sind Texte und Songs entstanden, die sich zu meinem ersten Album »Bodenangst« verdichteten. Als das dann sehr gut ankam, habe ich einfach weitergemacht. Das Ganze ist stetig gewachsen, und irgendwann konnte ich davon meine Miete bezahlen. Als ich mir dann ab und an den guten Bio-Joghurt im Supermarkt leisten konnte, war der Punkt erreicht, an dem ich dachte: Okay, jetzt lebst du von deiner Musik.

Minigolf – ein Sport für Physiker (Foto: K. Feldhaus)

Schlägertricks und Golfballspins mit Spaceman Spiff (Foto: K. Feldhaus)

Michael: Wie kam es eigentlich zu deinem Künstlernamen?

Hannes: Der Name stammt aus den fantastischen »Calvin und Hobbes«-Comics, von denen ich großer Fan bin. Darin geht es um den sechsjährigen Calvin und seinen Plüsch-Tiger Hobbes, der immer zum Leben erwacht, wenn keine anderen Menschen in der Nähe sind. Die beiden machen dann irgendwelchen Quatsch oder führen krass-philosophische und gesellschaftskritische Diskussionen, die minimalistisch auf drei Bilder heruntergebrochen sind. In manchen Episoden stellt sich Calvin vor, dass er ein Raumfahrer sei, der sich »Spaceman Spiff« nennt. Wenn er im Klassenzimmer sitzt, verwandelt sich sein Pult plötzlich in ein UFO und seine Lehrerin mutiert zum Alien. Und das war für mich ein stimmiges Bild: Calvin legt über die echte Welt seinen ganz eigenen Filter und überschreibt sie so mit seiner Phantasie. Wenn ich Lieder schreibe, mache ich letztlich nichts anderes.

Aus »Egal«:

ich weiß
dass ich immer die wahl hab
zwischen kant und peter pan
zwischen altbau und nimmerland
zwischen nüchternheit und wahn

Michael: Ist ein Künstlername auch ein Schutz?

Hannes: Auf jeden Fall. Ich hatte mir das nicht bewusst überlegt und deshalb einen gewählt. Am Anfang hatte ich aber schon Probleme damit, dass Arbeit und Privates miteinander verschmelzen, wenn du zum Beispiel auf der Bühne persönliche Sachen besingst. Ein Künstlername hilft dabei, eine Grenze zu ziehen und das als zwei verschiedene Sachen zu behandeln.

Michael: Nennt dich deine Mutter Hannes oder »Spaceman«?

Hannes: Es gibt Leute, die mich nur über die Musik kennen und die wissen dann vielleicht tatsächlich nicht, wie ich wirklich heiße. Da bin ich eben »der Spaceman«. Aber Freunde und Familie nennen mich immer Hannes.

Ensemble im Grünen (Foto: K. Feldhaus)

Zeit für weitere Fragen auf den letzten Bahnen (Foto: K. Feldhaus)

Michael: Was entsteht zuerst – Musik oder Text?

Hannes: Das ist bei mir sehr unterschiedlich. Bei »Endlich nichts« war das eher wie ein Puzzle. Es ist ein Konzeptalbum zum Thema »Sehnsucht nach Entschleunigung« geworden, das zu einem Teil entstanden ist, während ich in Neuseeland unterwegs war. Viele Texte sind fragmentarisch gewachsen, da ich mir auf meiner Reise Sätze notiert und irgendwann mit anderen Worten oder einem Gitarrenriff kombiniert habe. Das waren dann eben Teile eines großen Ganzen, die sich nach und nach zu einem Gesamtbild verbunden haben.

Michael: Welche drei Spaceman Spiff-Lieder sollten sich Leute anhören, denen deine Musik so gar nichts sagt?

Hannes: Alter! »Welches deiner drei Kinder findest du am besten?« Kann ich da drüber nachdenken, während du spielst?

Michael: Klar.

(Bahn 16: Hannes 51, Michael 63 Schläge)

Hannes: Ich glaube, es macht Sinn, sich von jeder Platte einen Song anzuhören. Von der ersten CD »Egal«, den ich nach Jahren immer noch gerne spiele und der gut zeigt, warum ich mit dem ganzen Kram überhaupt angefangen habe. Vom zweiten Album »Mit Scherenhänden« …

Michael: …aus dem auch dieses wunderbare Zitat mit der Axt stammt!

Hannes: Du meinst »Jetzt steh ich hier wie die Axt im Wald und wollt doch eigentlich ein Baum sein«?

Michael: Genau. Und welches Lied sollte man sich auf »Endlich nichts« anhören?

Hannes: Vielleicht »Vorwärts ist keine Richtung«. Ich denke, damit bekommt man einen ganz guten Eindruck von der Entwicklung und »Vorwärts ist keine Richtung« ist auch eine ganz gute Überschrift für das ganze Album.

Endstand nach 18 Bahnen: Hannes gewinnt (ultraknapp!) mit 61 zu 70 Schlägen.

Amtliches Endergebnis: Hannes gewinnt mit neun Schlägen Vorsprung (Foto: K. Feldhaus)

Nach hartem Sport der verdiente Snack an einem stadtbekannten Bio-Kiosk (Foto: K. Feldhaus)

Spaceman Spiff und Band
Konzert: »Endlich nichts«-Tour 2014
Vorverkauf ab sofort an der Theaterkasse in der Bertoldstr. 46 / Abendkasse am Zugang zum Werkraum (über Theatercafé)
Weitere Infos: www.spaceman-spiff.de
Sa. 8.11.14, 21 Uhr (Einlass 20.30 Uhr), Werkraum, 12.- Euro
.

Widget Area

This section is widgetized. To add widgets here, go to the Widgets panel in your WordPress admin, and add the widgets you would like to Homepage Top Right.

*This message will be overwritten after widgets have been added

Allgemein

Minigolf mit Spaceman Spiff

Endlich nichts – oder: Minigolf mit Spaceman Spiff

Nachdem Hannes Wittmer alias Spaceman Spiff im Frühjahr allein mit seiner Gitarre in Freiburg zu hören und zu sehen war, kommt er nun mit Unterstützung zurück: Diesmal wird alles bunter, lauter und abwechslungsreicher. Auf der Herbsttour hat der Hamburger Singer-Songwriter nämlich seine Band im Schlepptau. Gemeinsam mit ihr wird er sein neustes Album »Endlich nichts« am 8. November im Werkraum des Theater Freiburg ... [mehr]

Kuscheltiere

Su-Mi hat ein Herz für den Nussknacker – Oder: Was Walt Disney mit dem Theater Freiburg zu tun hat

Wie heißt es so schön: Geteiltes Leid ist halbes Leid; geteilte Freude ist doppelte Freude. Grund genug also mit euch unsere Freude zu teilen! – Denn endlich ist Su-Mi Jang mal wieder in Freiburg, wo sie mit Team in den kommenden drei Wochen nicht nur für ihre neueste Arbeit Tuning probt; sie hat uns v.a. auch ein Gastgeschenk der besonderen Art mitgebracht: EINEN TEDDYBÄREN!!! Gut, es gibt ausgefallenere Geschenke ... [mehr]

TF_CP_sign_schwarz

Internetpionier Jaron Lanier gewinnt Buchpreis – was bedeutet das?

Jaron Lanier, 1960 in New York City geboren, erhielt schon manches Etikett: Internetpionier, Erfinder des Begriffs »virtuelle Realität«, Open-Source Gegner, Musiker, Autor, Dozent. Nun ist er auch Halter des Friedenspreises des deutschen Buchhandels. Auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2014 nahm der Amerikaner den Preis in Empfang – nicht ohne Widerspruch. Der Philosoph Byung-Chul Han, kein Unbekannter in ... [mehr]

festivalprogramm

DAS FESTIVALPROGRAMM IST DA!

Seit letzter Woche ist es online und am Wochenende habt ihr es auch schon als Beilage der Badischen Zeitung finden können: Das komplette Festivalprogramm des 9. Festival Politik im Freien Theater! Vom 13. bis zum 23. November müsst ihr euch eigentlich ein paar Tage freinehmen, denn von früh bis spät präsentieren wir euch ein buntes Programm aus Theater, Performances, Diskussionen und Musik. Und nicht nur hier in ... [mehr]

beet&box

Bringt Spaten und Harke mit! – Unser Gemeinschaftsgarten macht sich fürs Ausschwärmen fein.

Bambis Beet schwärmt aus! Mit einem gemeinsamen Gartenfest begrüßt der Tanz die neue Spielzeit und empfängt die SoLD-Gruppe aus Jerusalem. Was SoLD ist? Kannst du hier nachlesen. Bringt Spaten und Harke mit! – Unser Gemeinschaftsgarten macht sich fürs Ausschwärmen fein. Nicht nur die neue Spielzeit, sondern auch der Garten wartet! Am Samstag, den 11. Oktober, geht es um 11 Uhr am Theatervorplatz los. Nachdem der ... [mehr]

homofaber1

DEN RASIERER IMMER ZUR HAND – PROBENBESUCH BEI »HOMO FABER«

»Wir starteten in La Guardia, New York, mit dreistündiger Verspätung infolge Schneestürmen. Unsere Maschine war, wie üblich auf dieser Strecke, eine Super-Constellation.« Kommt euch das irgendwie bekannt vor? Wahrscheinlich. Die meisten haben das ja in der Schule gelesen und jetzt sicherlich erkannt: Homo Faber von Max Frisch. Ab Freitag könnt ihr sehen, wie die Geschichte auf unserer Bühne zum Leben erwacht. ... [mehr]

Freut sich schon auf den 19. Oktober – der Lesedachs!

19. Oktober ist Lirum Larum Lesesonntag

Wie in jedem Jahr wird die neue Spielzeit des Jungen Theaters fulminant mit dem großen Freiburger Kinderliteraturfest gefeiert. Die Sanierung kann das Lirum Larum Lesefest nicht aufhalten! Denn am 19. Oktober wird wie geplant im ganzen Haus fabuliert, gespielt, gesungen, erzählt und geschmökert – u.a. mit folgenden Autorinnen und Autoren: Martin Baltscheit, der zum »Lesekünstler des Jahres 2014« ernannt wurde, ... [mehr]

Seite 1 von 8912345...102030...Letzte »