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»GOTTES KLEINER KRIEGER«: WIR LESEN!

Die Inszenierung »Gottes kleiner Krieger« hat zwar erst am 18. Mai 2013 Premiere, aber wir bereiten uns jetzt schon darauf vor. Und wie könnte man sich besser auf etwas vorbereiten, als ganz von vorne anzufangen, am Ursprung des Ganzen? Genau, wir lesen! Denn »Gottes kleiner Krieger« basiert auf dem gleichnamigen Roman von Kiran Nagarkar und der ist stolze 704 Seiten dick und da muss man ja wirklich früh anfangen um rechtzeitig fertig zu sein. [mehr]

Ohne Titel

Wollen wir diese Sprache und Ideologie wirklich übernehmen?

Um diese und ähnliche Fragen geht es am Freitag und Samstag, den 3. und 4. Juli beim Theaterkongress »Re-Engineering Life oder Wollen wir unendlich sein?« im Theater Freiburg. Zu dem Programm gehört unter anderem die Performance »Life in the Lab. Ein interaktives Speech-hacking Labor«. Im Interview erklärt uns Workshopleiter und Regisseur Stefan Nolte, wie die Sprache und das Sprechen über Synthetische Biologie unser Denken über das Leben beeinflussen. Die Performance findet am Freitag um 22 und am Samstag um 12.30 und 15.30 Uhr auf dem Dancefloor der Passage46 statt (Zugang über das Steinfoyer).

 

 

Theater Freiburg: Was ist Ihre spezielle Sichtweise auf die Synthetische Biologie? Wo sehen Sie Verheißungen bzw. Gefahren?

Stefan Nolte: Mein Eindruck ist, dass die Synthetische Biologie eine sehr anwendungsbezogene Wissenschaft ist, bei der es weniger um Grundlagenforschung geht als um Marktforschung. Andererseits sind bisher nur sehr wenige Produkte auf dem Markt und wenn, dann erfährt man es nicht unbedingt, weil nach europäischem Recht Produkte mit Bestandteilen aus der Synthetischen Biologie nicht ausgezeichnet werden müssen. Nach europäischem Recht muss nur am Ende das gleiche Produkt herauskommen, egal ob es biologisch oder synthetisch hergestellt wird. Ein Beispiel ist die Ritter Sport Schokolade Vollmilch Nuss, die synthetisch hergestelltes Vanillin enthält und dieses legal als natürlich auszeichnet.

Die Hoffnungen und Prophezeiungen, die oft mit der Synthetischen Biologie verknüpft werden, erinnern mich an die Anfänge des Internets und damit verknüpfte Erwartungen, mehr Gerechtigkeit zu erreichen. Aber natürlich kann auch die Synthetische Biologie nicht Gerechtigkeit schaffen, das funktioniert nur über Politik.

Synthetische Biologie wird oft als Wissenschaft zwischen Biologie und Ingenieurswissenschaft gesehen. Die Sprache ist sehr synthetisch, voller Paradoxien wie zum Beispiel dem Ausdruck »living machine«. Auch Begriffe aus der Computerprogrammierung werden verwendet und auf das Herstellen von Zellen übertragen, auf etwas Lebendiges also. Es stellt sich die Frage, ob wir diese Sprache und die damit verbundene Ideologie wirklich übernehmen wollen, wenn es um Leben geht.

TF: Was macht das Thema aus künstlerischer Sicht interessant im Vergleich etwa zum Blick eines Wissenschaftlers? Wo sehen Sie für sich einen Lernprozess?

SN: Ich habe vor diesem Projekt nichts darüber gewusst, was genau Synthetische Biologie bedeutet und im letzten halben Jahr dementsprechend viel dazu gelernt, auch über Gentechnik und das, was in Zukunft damit möglich ist. Als Künstler fand ich interessant, dass die Synthetische Biologie ein sehr künstlerisches Verfahren wählt in der Methode des Herstellens: Dinge werden auseinandergenommen und wieder neu zusammengesetzt. Diese Idee greifen wir in unserem Projekt Life in the Lab auf. Es geht uns allerdings nicht darum, diesen Prozess einfach abzubilden, sondern wir hinterfragen auch ganz klar, welche Ziele dahinter stecken, setzen uns mit dem dahinter stehenden Optimierungsgedanken auseinander und schaffen eine Reflexionsebene, auf der wir hinterfragen, was es bedeutet, dass bei der synthetischen Biologie im Vergleich zum künstlerischen Arbeiten mit lebendigem Material experimentiert wird. Außerdem interessiert uns die reduktionistische Sichtweise der Synthetischen Biologie, bei der vieles unter den Tisch fällt und der Anschein erweckt wird, die Natur sei beherrschbar. Dieser Anschein ist so eigentlich nicht aufrechtzuerhalten.

TF: Sie haben das Projekt gemeinsam mit Studierenden entwickelt, die aus Theaterperspektive Laien sind, aber in einem speziellen Fachbereich, der mit der Synthetischen Biologie zusammenhängt, eine besondere Perspektive haben. Was war das Besondere an dieser Zusammenarbeit?

SN: Für mich bedeutet Theater immer auch Forschung und in dem Sinne sind die Studierenden oder Forschenden der Uni von Hause aus sehr nah dran am Prozess. Wir haben viel gemeinsam diskutiert, ausgewertet und Gedanken weiterentwickelt und das hat innerhalb unserer kleinen Forschungsgruppe sehr gut geklappt, ohne den Druck des konkreten Umsetzungsprozesses. Eine Schwierigkeit war eher der Übergang vom diskutieren zum konkreten Materialisieren unserer Ideen. Aber die Studierenden haben auch selbst performative Akte eingebracht, durch Vorlesungen, Referate und Präsentationen, die wir uns in der Gruppe zunutze gemacht haben.

TF: Was erhoffen Sie sich vom Kongress, bei dem wissenschaftliche und künstlerische Perspektiven aufeinandertreffen?

SN: Ich bin erstmal gespannt, inwieweit Interesse besteht oder entsteht bei Menschen, die in dem Bereich keine Experten sind. Ich frage mich, ob es gelingt, jenseits von Skandalisierung oder Dramatisierung auf das Thema aufmerksam zu machen. Ob es in dem Rahmen möglich ist, eine politische Debatte zu führen und über Themen wie Industrie, Patentrecht und Gesetzgebung zu diskutieren. Ich sehe in der Synthetischen Biologie zwei komplett voneinander getrennte Bereiche. Einerseits ist da die Beobachtercommunity, die das Ganze von Außen nach ethischen Kriterien beurteilt und andererseits gibt es die Industrie, die schon jetzt sehr viel mit der synthetischen Biologie experimentiert und produziert. Das sind eigentlich zwei Welten. Ich erhoffe mir von der künstlerischen Position eine gewisse Vermittlerfunktion, die die beiden Perspektiven miteinander ins Spiel bringt.

Das Gespräch führte Mascha Unterlehberg.

Zu Stefan Nolte: Inszenierungen u.a. am Staatsschauspiel Dresden, Nationaltheater Mannheim, Theater Aachen, Schauspiel Stuttgart und Theater Dortmund. Romanbearbeitungen, Stückentwicklungen und Recherche-Projekte zu Gegenwartsfragen – auch innerhalb freier Produktionen. Für das Uraufführungsfestival »Schlaglichter« schrieb und inszenierte er die erste epigenetische Komödie »Wild werden. Ein Notstand« (Badisches Staatstheater Karlsruhe; 2009). Am Theater Freiburg hat er bisher »Herz der Finsternis«, »Spurensuche Grafeneck« und den Parcour »Schwarz Wald Straße« (2014) inszeniert.

 

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