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»GOTTES KLEINER KRIEGER«: WIR LESEN!

Die Inszenierung »Gottes kleiner Krieger« hat zwar erst am 18. Mai 2013 Premiere, aber wir bereiten uns jetzt schon darauf vor. Und wie könnte man sich besser auf etwas vorbereiten, als ganz von vorne anzufangen, am Ursprung des Ganzen? Genau, wir lesen! Denn »Gottes kleiner Krieger« basiert auf dem gleichnamigen Roman von Kiran Nagarkar und der ist stolze 704 Seiten dick und da muss man ja wirklich früh anfangen um rechtzeitig fertig zu sein. [mehr]

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Ist Kaspar Hauser gekleidet?

Auch die Kostüme für „Kaspar Hauser“ sind inzwischen in Arbeit: Zur sogenannten Kostümabgabe haben sich der Kostümchef und die Gewandmeisterinnen mit der Kostümbildnerin Gabriele Rupprecht zusammengesetzt, um die von ihr entworfenen Kostümentwürfe zu sichten und auf ihre Umsetzung hin zu prüfen. Seither werden die Einzelteile in der hauseigenen Schneiderei des Theaters hergestellt. Auch Gabriele Rupprecht ist dem Freiburger Publikum durch ihre zahlreichen Kostümbilder in den Inszenierungen Frank Hilbrichs und den Bühnenbildern Volker Thieles bestens bekannt.

Ihre Kostüme funktionieren immer doppelt: als tragender Bestandteil der Gesamtkonzeption wie als kreativer Impuls für die Einzelfigur. Sie nehmen die Konzeption in sich auf und veräußerlichen sie zugleich, indem sie sie nach außen zurückspiegeln. Sie fügen sich ein und stechen doch heraus, fügen eine neue Dimension hinzu, manchmal schlicht irritierend und zum Nachdenken über die Figuren anregend. Im besten Fall erschaffen bzw. bereichern sie Identitäten – und lassen dadurch eine gänzlich neue Bedeutungsebene entstehen, ergänzend, verschärfend, kontrastierend. Immer geht Gabriele Rupprecht dabei von den Sängerinnen und Sängern aus, widmet dem Menschen ihre volle Aufmerksamkeit, um ihn dann auf die Reise zu schicken, die ihm die Figur vorgibt. Dabei gestaltet sie eine äußerlich-bildnerische Identität, wo der Regisseur die Figuren komplementär von innen zu formen versucht. Bei Kaspar Hauser ist gerade die Frage nach der Identität freilich eine besondere: Es könnte bei dieser merkwürdig-urwüchsigen Figur, diesem Nicht-Wesen gar die Frage aufkommen, ob sie überhaupt gekleidet ist. Ist Kaspar Hauser gekleidet? Gabriele Rupprecht hat entschieden: Er ist.

Sie hat sich dabei an dem in Stahl gegossenen Bildnis seiner Heimatstadt Ansbach orientiert – und thematisiert damit gerade die Abwesenheit von Identität: So ist das Bild von Kaspar Hauser im öffentlichen Raum überliefert! So stellen sich ihn die Menschen vor, so hat man ihn im Gedächtnis! Doch über den Menschen Kaspar Hauser sagt das rein gar nichts aus. Ist das Kaspar Hauser? Das Bildmaterial ist erdrückend, es erdrückt auch Kaspar Hauser. Und so schwingt bei seiner Bühnenerscheinung immer auch der gusseisern-schwere Eindruck mit, von dem sich Kaspar Hauser nie wird befreien können. Dafür sorgt nicht zuletzt die Umgebung, die ihn in historische Ketten gelegt hat. Auch für diese Figuren hat sich Gabriele Rupprecht eine Besonderheit einfallen lassen, die auf die Veränderung zielt, die Kaspar Hauser bei ihnen auslöst. Ebenso wie sie Kaspar Hauser zur Statue machen, bringt Kaspar Hauser in ihnen etwas in Bewegung – eine Veränderung, die Wesen und damit Gestalten verändert. Wer sich auf ihn einlässt, wer auch nur mit ihm in Berührung kommt, ist betroffen von der Fremdheit seines Wesens, das nicht einzuordnen und doch so leibhaftig-existent ist. Diese Veränderung als Deformation der Seele zu begreifen, die sich auch auf die Körperlichkeit ausweitet, ist der Clou des Kostümbilds. Wie das aussehen könnte, lässt sich an den ersten Figurinen für unsere Ensemblemitglieder Christoph Waltle und Roberto Gionfriddo sehen, zwei Tenöre, die in unserer Uraufführung mit großen Partien betraut sind:

Christoph Waltle wird Kaspar Hauser über die drei Akte in drei Rollen umgeben – als sein Lehrer, sein Pflegevater, sein Mäzen. Wie ihm die stolze Brust in dieser vordergründig fürsorglichen Rolle schwillt, ist auf der Figurine mehr als deutlich zu sehen. Bei Roberto Gionfriddos Rollen hingegen geht es eher um Durchsetzungsvermögen: Sie sind Kaspar Hauser gegenüber merklich reservierter eingestellt, versuchen als breitschultriger Rittmeister und Gerichtsarzt die Ordnung wiederherzustellen.

 

Gabriele Rupprecht arbeitet zu diesem Zweck mit Verssatzstücken, die die Körperteile betonen, ausstellen und überzeichnen. Und es versteht sich von selbst, dass die Figuren dem Heute entstammen. Dem Zuschauer bleibt die Konstruktion natürlich nicht verborgen – könnte vielleicht gerade das ihr Anliegen sein?

Ein Artikel von Heiko Voss.

 

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Allgemein

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