Sprechen über Demenz: Bilder von der Buchvernissage

Mit der diskreten Intervention „Gastraum“ verschenkte Till Velten Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Demenz. Sein hieraus entstandenes  Buch Sprechen über Demenz, das letzte Woche im überfüllten Winterer-Foyer bei einer Buchvernissage vorgestellt wurde, dokumentiert, reflektiert und erweitert ein künstlerisches Forschungsprojekt, das Velten über einen längeren Zeitraum hinweg in Zusammenarbeit mit dem Theater Freiburg und dem WOGE e.V. in Freiburg realisiert hat. Jenseits der Verlusterzählung der Demenz als Abbau intellektueller Funktionen initiiert es ein vielstimmiges, vitales Gespräch über den persönlichen und gesellschaftlichen Umgang mit dem großen Vergessen. Veltens hat hierzu mit Menschen mit unterschiedlichsten, beruflichen Hintergründen gesprochen, etwa mit dem Parapsychologen Walter von Loucadou, der es „sehr leicht, viel leichter als mit anderen Menschen“ fand, mit einem an Demenz erkrankten Menschen in Kontakt zu treten.  Er beschreibt diese Begegnung als „eine Art empathischen Kontakt.“ Oder mit dem Lichtberater Willi Stütz, der Hula-Tänzerin Dagmar Habermann und der Friseurin Diana Bölle. Aber auch einige Theatermenschen kommen im Buch zu Wort. Etwa der Theaterregisseur und Kurator Boris Nikitin, die Stimm- und Sprechtrainerin Dorothea Gaedeke und die Schauspielerin Charlotte Müller, die ihre Begegnung folgendermaßen beschreibt:

Sie waren körperlich sehr präsent, stimmlich. Sie waren nicht in der Art wach, wie wir es gewohnt sind, weil sie nicht so reagieren, wie wir es gewohnt sind, aber sie waren vielleicht wach für etwas andres. Etwas, zu dem wir vielleicht, die wir uns als normal bezeichnen, gar keinen Zugang haben. Sie nehmen eher den Körper wahr und die Haltung, wie man sich ihnen gegenüber setzt. Wie offen oder wie verschlossen man sich ihnen gegenüber verhält. Ich habe ganz klare Körperannäherungen erlebt, mit einer Frau, die meine Hand sehr fest hielt, die meine Adern nachgezeichnet hat auf meinen Handrücken und die mich in die Handfläche geküsst hat. Ich habe sie dann auch geküsst, auf ihre Hand, auf den Handrücken, und das war sehr intensiv und sehr schön. Sehr liebevoll.

Die Literaturwissenschaftlerin Inge Jens verfasste für das Buch ein persönliches Vorwort, der Freiburger Philosoph Rainer Marten den Essay „Das letzte Selbst“. Erhältlich ist das Buch nicht nur im Herder-Verlag, sondern auch an der Theaterkasse. Reinblättern könnt ihr aber hier schonmal über den Link zur Website des Herder-Verlags. Die Bilder unten zeigen die restlos ausverkaufte Matinée am 19.04. im Winterer-Foyer.

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