Maulbeben an der Parkaue

»Maulina« im Theater an der Parkaue, Berlin (Foto: M. Kaiser)

Gastspielreisen sind in unserer Theaterwelt sicher nur selten business as usual: Man verlässt die heimischen Gefilde, zerlegt Kulissen, packt sie mit Requisiten und Kostümen in Sprinter oder LKW, staunt über die Größe (oder Beengtheit) der Gastgeberbühne, richtet die Technik ein, leuchtet das Stück nochmals neu, probt ein, zwei Tage (oder hat lediglich Zeit für ein hastiges »Spacing«) und, ehe man sich’s versieht, strömen bereits die Zuschauer in den Saal. Im besten Fall sind im Anschluss alle platt, erschöpft, übernächtigt, aber glücklich.

»Maulina« im Theater an der Parkaue, Berlin (Foto: M. Kaiser)
Bühne 2 @ Parkaue (Foto: M. Kaiser)

Das Junge Theater Freiburg war am vergangenen Wochenende mit seiner Produktion »Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt« im Theater an der Parkaue in Berlin zu Gast. Für uns ein Ausflug unter verschärften Bedingungen, da die letzte »Maulina«-Vorstellung in Freiburg vor knapp einem Jahr im Werkraum zu sehen war. Alles also sehr lange her.

»Maulina« im Theater an der Parkaue, Berlin (Foto: M. Kaiser)
Endlich wieder maulig aus der Wäsche schauen! (Foto: M. Kaiser)

Das Theater an der Parkaue liegt in Berlin-Lichtenberg und ist mit rund 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das größte Staatstheater für junge Menschen in Deutschland. Die Bühne 2, auf der wir zugange waren, ist deutlich größer als der Werkraum und fasst beinahe die doppelte Zuschauerzahl.

»Maulina« im Theater an der Parkaue, Berlin (Foto: M. Kaiser)
… von wegen »Abgespielt« (Foto: M. Kaiser)

Mit »Maulina« hat Finn-Ole Heinrich (u. a. Deutscher Jugendliteraturpreis 2012 für »Frerk, du Zwerg«) einen dreiteiligen Roman über eine besondere Heldin geschrieben – trotzig, maulig, eigensinnig und voller Fantasie und Witz. In unserer Produktion erzählt Finn ihre Geschichte, die mit einem Umzug vom geliebten Mauldawien ins verhasste Plastikhausen beginnt, gemeinsam mit seinem Lieblingsmusiker Spaceman Spiff (aka Hannes Wittmer) höchstpersönlich in einer atmosphärischen szenischen Lesung – Musik, Klänge und Budenzauber inklusive.

»Maulina« im Theater an der Parkaue, Berlin (Foto: M. Kaiser)
Umbauprobe mit Bühnenbildmodell in der Garderobe (Foto: M. Kaiser)

Das Bühnenbild von Nina Hofmann besteht aus rollbaren Wägen, die von den Akteuren selbst gedreht und in immer neuen Konstellationen positioniert werden. Aus Mauldawien wird so – durch zwei, drei beherzte Rotationen – Plastikhausen. Nach einem Jahr Pause nutzten Finn und Hannes die probenfreie Zeit dafür, diese vielen, vielen Positionen im Backstage-Bereich mit dem Bühnenbildmodell durchzugehen. Fingerübungen quasi.

»Maulina« im Theater an der Parkaue, Berlin (Foto: M. Kaiser)
Spaceman Spiff und Finn-Ole Heinrich (Foto: M. Kaiser)

Wir danken Oberspielleiterin Katrin Hentschel und Team und sowieso dem gesamten Theater an der Parkaue für die Einladung und die fulminante Zeit in der Hauptstadt: Die beiden Vorstellungen waren großartig! Dank auch an Conny und Franck von der Veranstaltungstechnik des Theater Freiburg, die das Gastspiel – so wie Finn und Hannes onstage – hinter der Bühne und an den Reglern gerockt haben.

Für alle, die »Maulina« nun endgültig verpasst haben, bleiben ja zum Glück noch die Bücher mit unserem Trailer als Einstimmung.

Und: In der kommenden Spielzeit, soviel sei heute bereits verraten, werden wir erneut mit Finn-Ole Heinrich und Spaceman Spiff arbeiten. Wie, was und wann erfährt man ab dem 13. Mai auf unserer Website, wenn wir das neue Jahresprogramm des Jungen Theaters 2015/16 vorstellen …

PS: Ja, wir sind nach der Gastspielreise nun alle ziemlich platt, ganz schön erschöpft und durchaus übernächtigt – aber auch sehr, sehr zufrieden!
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