Fünf Fragen an…Pedro

Pedro Ricardo Henry ist 26 und steht seit seiner Kindheit als Tänzer auf der Bühne. Für Faustin Linyekulas’ Beitrag zum Theaterabend »Eurotopia« hat er ein atemberaubendes tänzerisches Solo entwickelt, das viel Persönliches offenbart und zugleich für Freiheit und Gleichberechtigung einsteht.

Wo und wann hast du angefangen zu tanzen?

Ich komme aus Kuba, meine ganze Familie tanzt. Meine Mutter war auch Tänzerin, aber nicht glücklich damit, deshalb wollte ich eigentlich kein Tänzer werden. Trotzdem bin ich mit elf Jahren auf eine Tanzschule gekommen und habe dort, bis ich 18 war, eine Ausbildung zum Tänzer gemacht. Danach habe ich kurz überlegt, Koch zu werden aber mir war schnell klar, dass das nicht funktioniert. Ich wollte tanzen.

Wann bist du nach Europa gekommen? Was waren deine Beweggründe?

Ich bin tatsächlich vor drei Jahren nach Europa gekommen, weil ich hier die Möglichkeit hatte, in verschiedenen Kompanien zu tanzen. Ich war zuerst beim Ballet de La Ópera  National du Rhin, dann habe ich im Theater Aachen bei Westside Story mitgetanzt, zwischendurch habe ich im Théâtre du Châtelet in Paris getanzt und jetzt lebe ich seit einem Jahr in Freiburg. »Eurotopia« ist mein erstes Tanzprojekt seit einiger Zeit.

Wie bist du zu dem Projekt gekommen und was bedeutet Europa und der Theaterabend Eurotopia für dich?

Ich bin zufällig beim Casting von Faustin gelandet, eine Freundin hatte mir davon erzählt. Er hat sich vier Stunden mit mir unterhalten. Wie ich tanze, wollte er beim ersten Treffen gar nicht sehen. Das war ziemlich ungewöhnlich. Eine Woche später hat er mich angerufen und mir gesagt, dass er mich dabei haben will. In meiner Szene bei »Eurotopia« geht es um meine Lebensgeschichte, um mich. Gemeinsam mit Faustin habe ich eine Choreographie entwickelt, die Elemente von traditionellen, afrikanischen Tänzen mit solchen des zeitgenössischen Tanzes verbindet. Für mich ist diese Choreographie etwas sehr Intimes. Sie fordert die gleiche Behandlung aller Menschen ein, unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sexueller Orientierung.

Europa bedeutet für mich vor allem die Freiheit, Dinge zu tun, die ich tun möchte. Hier ist vieles einfacher als in meiner Heimat. Zugleich sind die Dinge hier strenger geregelt: In Kuba tanzen wir, bis eine Choreographie perfekt sitzt und das kann manchmal sechs Stunden dauern. Hier ist die Probe vorbei, wenn die Zeit um ist. Ich finde das schwierig, das ist, als wären wir Künstler nur Maschinen.

Ich genieße meine Zeit in Europa. Trotzdem weiß ich, dass ich irgendwann nach Kuba zurück will. Ich sehe mein Leben als eine Art Kreis, Europa ist dabei ein Teil der Durchreise.

Was machst du, wenn du nicht tanzt?

Gerade muss ich einen Deutschkurs machen, damit ich ein Sprachzertifikat für B1 bekomme. Ohne das ist es schwierig für mich, in anderen europäischen Ländern zu arbeiten. Ich bin gerade ziemlich frustriert, weil ich das Gefühl habe, dass mir meine Zeit davon rennt und ich eigentlich andere Dinge tun will. Ansonsten arbeite ich als Tanzlehrer in verschiedenen Freiburger Tanzschulen. Das ist okay, aber es ist nicht dasselbe wie selbst auf der Bühne zu stehen.

Was wünschst du dir für deine Zukunft?

Ich weiß es nicht. Bis ich 30 bin oder länger möchte ich als Tänzer arbeiten. Danach gebe ich vielleicht mehr Tanzkurse.

 

.

Kommentieren