»Clean City«: Vier Fragen an den Regisseur Prodromos Tsinikoris

Ein großes Politikum bringen die Regisseure Anestis Asas und Prodromos Tsinikoris am Donnerstag, 18. Mai 2017, um 19 Uhr im Rahmen des Bürgerbühnenfestivals mit ihrem Stück »Clean City« ins Kleine Haus: wie in einigen anderen Ländern Europas, ergreift auch in Griechenland eine rechtsextreme Partei, die »Goldene Morgenröte«, immer wieder das Wort, um öffentlich gegen Migranten, Geflüchtete und Vertrieben zu hetzen, von denen sie Griechenland »säubern« will. Genau diese Formulierung greifen Anestis Asas und Prodromos Tsinikoris in ihrem Stück Clean City auf. Sie drehen den Spieß dabei jedoch um und fragen danach, wer in diesem Land eigentlich wirklich sauber macht.

Die Antwort darauf geben die dafür Verantwortlichen selbst: fünf Frauen, die ihr Geld als Putzfrauen verdienen. Sie, die ursprünglich aus Albanien, von den Philippinen, aus Südafrika, Bulgarien und Moldawien stammen und in ihren Heimatländern Architektinnen, Akademikerinnen oder klassische Sängerinnen waren, erzählen ihre Geschichten, vom Hoffen auf eine bessere Zukunft und der Gegenwart, der sie letztendlich in Griechenland begegneten.

Im Interview verrät uns der 36-jährige Regisseur des Stückes, Prodromos Tsinikoris, der im Wuppertal geboren wurde und dessen Eltern selbst von Griechenland als Gastarbeiter nach Deutschland kamen, welche Idee hinter »Clean City« steckt und worin sein persönlicher Bezug zu dem Stück besteht:

Was würdest Du sagen, ist das Besondere an der Produktion?

Anfangs war das Interessante für uns, jenen Menschen ein öffentliches Forum zu geben, die es in Griechenland nicht haben. Seit Anfang der 90er ist Griechenland ein Einwanderungsland geworden. Früher waren es die Griechen, die nach Australien, Mitteleuropa und in die USA auswanderten. Mit dem Zerfall der Sowjetunion änderte sich das dramatisch. Seitdem sind fast drei Jahrzehnte vergangen und die vielen Menschen, die damals in Griechenland ein neues Zuhause fanden, sind trotzdem im öffentlichen Leben nicht sichtbar. Sie kandidieren nicht als Politiker, sind in den Medien sehr wenig bis gar nicht präsent etc. Es stellt sich also eine Integrationsfrage.
Als das Stück fertig war, sahen wir, dass es schließlich nicht nur den Aufschwung der Rechtsradikalen in Griechenland thematisiert, die sich mit Parolen wie »Säubert das Land« Gehör verschafften. Diese 5 Migrantinnen, die als Putzkräfte in Athen arbeiten, sprechen auf der Bühne über Mittelklasse, Zukunftsängste, Arbeitsverlust und Politikverdrossenheit, schaffen es aber gleichzeitig immer charmant, humorvoll und reflektiert zu bleiben.

Was ist Dir von der Erarbeitung des Stücks am meisten in Erinnerung geblieben?

Was immer bei solchen Projekten und Arbeitsweisen gewonnen wird, ist die Einsicht, dass man immer etwas dazulernen oder revidieren kann. Dass die meisten Migrantinnen, die wir für die Recherche interviewten, eine respektable Arbeits- oder Studienkarriere in ihren Heimatländern hinter sich hatten, war unserseits ein bisschen unerwartet. Wir wollten sie aber nicht als Opfer der Geschichte darstellen, sondern als das, was sie wirklich sind: Gestalter ihrer eigenen Narration und aktive Koautoren der Geschichte Griechenlands.

Was bedeutet es Dir, in der Produktion Regie zu führen?

»Clean City« war die siebte Zusammenarbeit mit Anestis Azas. In all unseren Stücken gibt es immer Ausgangspunkte, die sich mit unserem Privatleben verstricken. Im Fall von »Clean City« kann ich die Geschichte meiner Mutter und Großmutter erwähnen, die Anfang der 70er Jahre in Wuppertal bei Johnson & Johnson als Putzkräfte arbeiteten. Während der Proben kamen natürlich Erinnerungen hoch und Geschichten zum Vorschein, die ich leider vergessen hatte.

Welche Erwartungen hast Du an das 3. Internationale Bürgerbühnenfestival »Art of the Cities« in Freiburg?

Die Erwartungen sind eigentlich immer dieselben. Egal ob wir in Paris, Ljubljana oder wie jetzt in Freiburg spielen. Wir wollen das Publikum mit einer alternativen Narration in Verbindung bringen, die jenseits der Klischees der Mainstream – Erzählung stattfindet. Wenn es uns dann dabei gelingt, die Denk- und Blickweise der Zuschauer ein bisschen zu »verschieben«, ja, dann war es die Reise wert.

DO., 18.05.2017, 19 Uhr, Kleines Haus

Kommentieren