»Romeo und Julia«: Vier Fragen an Baian Aljeratly und Jonas Bartel

Themen, die Shakespeare bereits im 16. Jahrhundert in seinen Stücken verarbeitete, sind längst nicht veraltet – das beweist die Bürgerbühne Dresden diesen Samstag, 20. Mai 2017, um 19 Uhr im Kleinen Haus. Im Rahmen des Bürgerbühnenfestivals präsentiert die Schauspielgruppe ihre Neuauflage von Shakespeares »Romeo und Julia« in arabischer und deutscher Sprache.

In ihrer Version des Stücks, dessen Geschichte wohl jedem – zumindest in groben Zügen – bekannt sein dürfte, stammen Romeo und seine Familie, die Montagues, aus dem arabischen Raum, Julia und die Familie Capulet aus Europa. Es geht hier also nicht um die Rivalität zweier mächtiger Häuser, sondern um einen Konflikt, der aus kulturellen und religiösen Unterschieden, verschiedenen Glaubensentwürfen und Werten entbrennt und der zur Bewährungsprobe für die in diesen aufeinanderprallenden Welten entstehenden Liebesbeziehungen wird.

Wie gehen die Paare mit kulturellen Unterschieden um? Wie reagiert ihr persönliches Umfeld ? Kann die Liebe dem dadurch enstehenden Druck standhalten? Mithilfe von dokumentarischem Videomaterial, das in das Stück eingeflochten wird, werden diese und weitere Fragen wie beispielsweise die nach der politisch korrekten Lage der Nation verhandelt.

Baian Aljeratly, die im Stück den Prinzen spielt und im Privatleben selbst eine solche Liebesbeziehung führt, glaubt fest daran, dass diese funktionieren können, wie sie uns im Interview erzählt hat. Für Jonas Bartel, der in der Rolle des Sampson auf der Bühne steht, war vor allem die Zusammenarbeit in der bilingualen und multikulturellen Truppe spannend, die, wie er uns verrät, eine große Bereicherung für ihn war.

Was würdet Ihr sagen, ist das Besondere an der Produktion?

Baian Aljeratly: Ich finde es interessant, dass »Romeo und Julia« zwar ein klassisches Stück ist, aber wir damit trotzdem unseren Alltag auf der Bühne zeigen können.

Jonas Bartel: Das Besondere an dieser Produktion ist das bilinguale und multimediale Konzept. Es bricht mit den klassischen Regeln des Theaters und gibt dem Klassiker »Romeo und Julia« eine neue Bedeutung und Aktualität. So schafft es die Produktion den Fokus eher auf den Kulturstreit zwischen Ost und West zu lenken, so dass sich nicht nur die beiden Protagonisten im Vordergrund befinden. Den Bezug zur Realität und eben auch weg von der Bühne, findet man sehr gut in den kurzen Filmdokumentationen wieder, welche in das Stück eingeflochten wurden und somit eben diese weiteren Ebenen eröffnen.

Was ist Euch von der Erarbeitung des Stücks am meisten in Erinnerung geblieben?

Baian Aljeratly: Die intensive Probenzeit vor der Premiere: Ich konnte die Gruppe noch besser kennenlernen und das hat mir auf der Bühne sehr geholfen.

Jonas Bartel: Am meisten hat sich die Schwierigkeit der Sprache und unser »suboptimaler« Umgang mit sonstigen kulturellen Problemstellungen in meinem Gedächtnis verankert. Und selbstverständlich die Bewältigung dieser »Startprobleme«. Aber trotz dieser schwierigeren Umstände, verglichen mit normalen, gleichsprachigen Produktionen, konnte man sich eben an genau diesen Reibungspunkten bereichern! Denn jedes Problem ist eigentlich nur der Anreiz, den eigenen Charakter wachsen zu lassen, wozu wir zum Glück alle in der Lage waren!

Was bedeutet es Euch, in der Produktion mitzuwirken?

Baian Aljeratly: Ich habe in meinem privaten Leben die Art von Liebe, die wir im Stück präsentieren – ich komme aus Syrien und mein Freund aus Deutschland. Es war interessant und schön, die Chance zu haben, für diese Sache zu kämpfen und einzustehen. Ich glaube daran, dass solche Beziehungen funktionieren können.

Jonas Bartel: Für mich ist es eine große Ehre an diesem Stück mitwirken zu dürfen, da ich ein Mensch bin, der sowohl das Schauspiel als auch stark unterschiedliche Menschen und den damit einhergehenden Meinungsaustausch liebt! Somit war diese Inszenierung des Stückes nahezu perfekt für mich geeignet. Damit meine ich jedoch weniger das Stück »Romeo und Julia« an sich, als die Art der Inszenierung.

Welche Erwartungen habt Ihr an das 3 Internationale Bürgerbühnenfestival »Art of the Cities« in Freiburg?

Baian Aljeratly: Ich hoffe, dass wir durch das Festival eine breitere Gruppe von Zuschauern erreichen können. Bis jetzt haben wir das Stück nur in Dresden gespielt und es ist wichtig, mit dem Stück woanders hin zu reisen.

Jonas Bartel: Meine Erwartungen sind sehr groß! Ich erwarte interessante Stücke, tollen Menschen und eine schöne Atmosphäre. Und ich glaube, all diese Erwartungen können erfüllt werden!

Aufführungen: SA., 20.05.2017, 19 Uhr & SO., 21.05.2017, 11 Uhr, im kleinen Haus

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