Das neue Spielzeitheft 2012/13 ist da – Ein Bericht aus der Pressekonferenz
In der Spielzeit 2012/13 reiht sich ein Jubiläum an das andere. Unser Philharmonisches Orchester wird 125 Jahre jung und auch der 200. Geburtstag Wagners steht vor der Tür. Daher startet die neue Spielzeit mit Pauken und Violinen am 30.09. mit Mozarts Ouvertüre zu »Don Giovanni«. Themen wir Politik, Religion und Glaube werden in der Spielzeit behandelt und in Aufführungen aus dem Bereich Oper, Schauspiel und Tanz, aber auch im Jungen Theater bearbeitet.
Das Spielzeitheft 2012/13 wird von den Zeichnungen des Schweizer Künstlers Martial Leiter begleitet. Seine Zeichnungen schaffen eine Verbindung von Kapitalismus und Glauben, was Leiter nicht widersprüchlich findet, da für ihn der Kapitalismus bereits die Position einer Ersatzreligion eingenommen hat.
In der Oper steht vor allem Wagners 200. Gerburtstag am 22. Mai 2013 im Vordergrund, der mit einem besonderen Zyklus gefeiert werden soll. »Parasifal« und »Lohengrin«, Gralskönig und Gralsritter, aber zugleich auch Vater und Sohn, reihen sich zu einem Zyklus. Wagners musikalisches Vermächtnis »Parsifal« macht den Auftakt und das Schwellenwerk »Lohengrin«, welches noch in der Tradition der romantischen Oper steht, aber schon den Abschied der Nummernoper feiert. Operndirektorin Dominica Volkert sieht in »Parsifal« einen Zukunftsweisenden, durch den aufgezeigt wird, welchen Weg die Kunstformen ausschreiten können. In der barocken Semi-Oper »King Arthur« soll diese Zukunftsvision aufgenommen werden, was sich auch in der spartenübergreifenden Produktion niederschlägt. Den endgültigen Pfeil in die Operntradition schießen Bert Brecht und Kurt Weill mit »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny«. Zusammenfassend würde Volkert die Protagonisten der Saison als Menschenbeglücker und Menschenvernichter bezeichnen.
Das Veränderungswochenende dieser Spielzeit hatte einen großen Einfluss auf den Themenschwerpunkt für den Spielplan des Schauspiels. Schauspieldirektorin Viola Hasselberg meint dazu: »Glaube kann nicht in ein Schlagwort gepresst werden, es ist die Haltung, die wir suchen.« Ungläubigkeit und Handlungsunfähigkeit steht Extremismus und Radikalismus entgegen und diese Komponenten sollen in der Stückauswahl angeführt werden. Drei große Schauspiele bilden den Kern der neuen Spielzeit. Die Körperreligion zweier Brüder wandelt sich in eine Zukunftsreligion in Michel Houellebecqs » Elementarteilchen«. Religion kann die Glaubensfragen der Geschwister »Fanny und Alexander« nicht beantworten, sondern nur die Kunst. Das Schauspiel entsteht nach einem Drehbuch von Ingmar Bergmann und verhandelt Theater und Religion. In Samuel Becketts »Warten auf Godot« harren zwei Landstreicher noch immer unter dem kahlen Baum auf einer Straße aus, doch Godot kommt auch diesmal nicht. Nach Hasselberg lehrt das Stück uns für die eigene Existenz Verantwortung zu übernehmen und nicht auf Rettung oder Erlösung zu warten.
Der zukünftige Hausautor Paul Brodowsky wurde live aus Berlin in die Pressekonferenz via Skype geschalten. Einmal im Monat beglückt Brodowsky Interessierte mit seinen Kockkünsten im Finkenschlag in Haslach. Bei »Badisch Sushi« treffen gutes Essen, beste Unterhaltung und nette Leute aufeinander – ein Erfolskonzept. In seinem neuesten Projekt »Ich glaub schon« stellt er fest: »Durch Globalisierung verändert sich auch der Blick auf unseren Glauben. Mittlerweile kommen 8% der katholischen Priester aus dem Ausland, dadurch ergeben sich Schwierigkeiten, aber auch Chancen, wie bereit wir sind den Glauben zu leben.« Dieses Phänomen bezeichnet Brodolsky als Patchworkglaube.
Für den Tanz bleibt der Finkenschlag weiter bestehen und es sollen weitere Kooperationen nationaler und internationaler Natur erarbeitet werden. Auch zwischen Tanz und Schauspiel wird es zwei Kooperationen geben, die im Kleinen Haus aufgeführt werden.
Das Junge Theater hat sich das Zitat »Du musst dein Ändern leben!« zum Motto gemacht. Veränderung, aber auch der Wandel und die Vielfalt der Gesellschaft stehen im Zentrum der Betrachtung. Durch das »Heim und Flucht Orchester« soll ein kleiner Moment der Utopie geschaffen werden. Junge Musiker aus der ganzen Welt werden gemeinsam musizieren und eine Geschichte erzählen zwischen Flucht und Ankunft. Die Schule der Zukunft soll mit Freiburger Lehrerinnen und Lehrer im Projekt »Superlehrer« auf der Bühne mit dem Regisseur erarbeitet werden.
Politik und Glaube ist der rote Faden in der Spielzeit 2012/13, die Intendantin Barbara Mundl mit folgenden Worten eröffnet:
»In unserem Spielplan 2012/13 fragen wir uns, wie unsere liberale Gesellschaft zu entschiedeneren Haltungen kommen kann, die unser Zusammenleben menschlich und möglich machen.«



gääähn; eine Spielzeit in der mich das Theater nicht sieht.
5 Stunden Parsifal und 4 Stunden Lohengrin auf Stühlen, bei denen nach 1,5 Stunden der Hintern schmerzt. Ich vermisse eine italienische Oper….
Na dann bis zur Spielzeit 2013/2014.
Dann wird es Sie um so mehr freuen, dass gleich zwei italienische Opern die Spielzeit 2012/13 bereichern werden. Zum einen Verdis “Nabucco”, zum anderen “Francesca da Rimini” von Riccardo Zandonai, der die Oper an einem Stück von Gabriele d’Annunzio anlehnt. Über die weiteren Stücke können Sie sich gern in unserem neuen Spielzeitheft informieren, dass seit heute im Theater ausliegt und morgen im Blog präsentiert wird.
Mit freundlichen Grüßen,
Christina Tosoni
Glückwunsch zum neuen Programm! Freiburg ist eine Reise wert.!!
Nabucco, das ist doch erfreulich!