Keimzelle – Interview mit Finalist Sami Omar

Der 33-jährige Logopäde Sami Omar ist einer der 4 Finalisten des Keimzelle Stückewettbewerbs, der am 29. Juni im Kleinen Haus stattfindet. Sein Text »Murat ist was« stach durch die Aktualität der Thematik heraus. Der Kölner arbeitet auch selbstständig als Autor, Sprecher und Moderator.

War »Murat ist was« Dein erster Theatertext, oder hast Du schon mehr Erfahrung im Schreiben von Stücken bzw. seit wann schreibst Du?

Vor einigen Jahren fand ich in der Wohnung meiner Mutter alte Schulhefte von mir. Da standen schreckliche Gedichte drin. Die meisten über eine Claudia, an die ich sonst keine Erinnerung habe. Vielleicht war das der Anfang meines Schreibens. Jedenfalls habe ich immer Freude daran gehabt.  In meiner Freiburger Zeit vertraute ich mich mit meinen Texten einer Freundin an und sie machte mir Mut zum Weitermachen. Heute schreibe ich meist Kurzgeschichten und lese sie auf kleinen Bühnen vor Publikum. In Köln, wo ich heute lebe und arbeite, bin ich mit einer Schauspielerin verheiratet. Das hat mich dem Theater sehr viel näher gebracht und so war es eine Frage der Zeit, bis auch ich eine Keimzelle zustande bringen würde.

Wer sind Deine Vorbilder?

Ich bewundere viele verschiedene Autoren. Oft abhängig davon was ich kürzlich gelesen, was mich kürzlich beeindruckt hat. Zum Beispiel finde ich Erich Kästners Art des Erzählens ehrlich und unkompliziert. Franz Kafkas Prozess habe ich vor Jahren  im Freiburger Theater einmal gesehen und danach nahezu alles von ihm Verschlungen. Ich kenne schlecht bezahlte Regieassistenten, Bühnentechniker, Schauspieler an kleinen freien Theatern, die eine unglaubliche Kenntnis über Stücke und Texte mit sich tragen, die Theater gegen widrige Umstände machen, weil sie dafür brennen. Während ich mein Schreiben mit einem bürgerlichen Beruf absichere. Auch sie sind Vorbilder.

Inwiefern hat das Thema »Veränderung« sich in Deiner Keimzelle niedergeschlagen? Inwiefern war es für Deinen Text relevant?

Meine Figur, Murat, ist in einer absurden und doch sehr realistischen Situation. Man verlangt von ihm sich nach fremden Kriterien selbst zu beurteilen. Das ist es, was ihn verändert. So funktioniert es mit vielen Dingen, denke ich. Wir sind, wer wir sind und werden erst durch Zuschreibung und Kategorisierung verändert. Ist ein Franzose der seit zwanzig Jahren in Deutschland lebt im gleichen Maße »Ausländer« wie ein Kurde, der genau so lange hier lebt ? Wenn sie zugenommen haben und sich die Hosen weiten lassen, sind sie dann noch dick? …usw. ..

Über was schreibst Du sonst, oder wie würdest Du Deine Texte beschreiben?

Ich versuche in kurzen Geschichten Figuren zu zeichnen, die dem Leser vertraut werden und ihn oder sie darüber hinaus begleiten. Viele meiner Texte sind eher zum Vorlesen, als zum Lesen geeignet. Ich habe Freude daran, sie vor Publikum zum Leben zu erwecken, sie zu spielen.

Was war für Dich das Besondere am Schreiben einer Keimzelle, also eines recht kurzen Theatertextes, der auch ausgeweitet werden soll?

Mir hat es großen Spaß gemacht, diesen Text zu schreiben. Ich mag die Vorstellung, dass Murat und Sami auf der Bühne stehen und dieses Problem, dass zunächst gar nicht ihres ist, weiter behandeln. Außerdem, wäre es ein Hammer für mich, in diesem Prozess begleitet zu werden  und von echten Theatertieren ins Ziel gezogen zu werden.

 

Am Freitag den 29. Juni um 20 Uhr findet im Kleinen Haus die Wahl des Gewinners statt. Katharina Parpart und Tobias Gralke werden durch den Abend führen, musikalische Begleitung gibt es hingegen von der Maddis’son Brass Band. Aber auch Ihr seid gefragt: Keine Jury, sondern das Publikum bestimmt den Sieger! Wir freuen uns auf Euer Kommen!

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