Keimzelle – Interview mit Finalistin Sarah Trilsch

Sarah Trilsch hat mit ihrer Keimzelle »Über uns die Lichter« die Jury überzeugt, die Ausarbeitung der Figuren und auch die Sprache waren ausschlaggebend für ihre Wahl. Die 25-jährige schließt gerade ihr Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig ab und ist auch Teilnehmerin des Lehrgangs Forum Text für Szenisches Schreiben bei der uniT Graz. Außerdem absolviert sie gerade ein Gastsemester an der UdK Berlin. Am 29. Juni wird unter anderem ihr Stück im Kleinen Haus präsentiert, wer gewinnt entscheided das Publikum.

 

War »Über uns die Lichter« Dein erster Theatertext, oder hast Du schon mehr Erfahrung im Schreiben von Stücken bzw. seit wann schreibst Du?

Mit 19 Jahren hab ich begonnen ernsthafter zu schreiben. In der Zeit sind auch meine ersten dramatischen Texte entstanden, die ich bei einem kleinen Radiosender als Hörspiele produziert habe. Zwei Jahre später habe ich das erste Mal einen Theatertext geschrieben. Das ist in gewisser Weise so ein Urtext von mir, den nur eine handvoll Leute kennen. Seitdem habe ich zwei Stücke geschrieben, und arbeite gerade am dritten Text. Aus den beiden Stücken sind mittlerweile auch kurze Hörspiele für den SWR2 geworden. Aber ich bin immer noch am Anfang.

Wer sind Deine Vorbilder?

Konkrete Vorbilder habe ich nicht mehr, aber es gibt verschieden Künstler, die mir wichtig sind – darunter Rainald Goetz, Hubert Fichte, Andreas Dresen und Paul Plamper.

Inwiefern hat das Thema »Veränderung« sich in Deiner Keimzelle niedergeschlagen? Inwiefern war es für Deinen Text relevant?

Der Text beginnt mit drei Umzügen. Ein junges Paar zieht zusammen. Eine Tochter zieht von zu Hause aus und lässt ihre Mutter allein zurück. Ein in die Jahre gekommenes Ehepaar organisiert den Umzug des Vaters ins Altersheim. Allen gemeinsam ist die Hoffnung auf ein neues Leben im alten. In unterschiedlichen Paarkonstellationen begegnen die Figuren einander, verändern wird sich dadurch allerdings wenig. Letztlich bleibt jeder auf sich allein zurückgeworfen.

Was war Dein großes Grundthema für den Text?

Ausgangspunkt für mich war der Satz, den der Autor André Müller einmal an seine Mutter gerichtet hat: »Zu mir hast du immer gesagt, das Einzige, was du dir wünschst, ist, dass ich glücklich bin. Das ist eine unglaubliche Forderung.« Aber ein Grundthema gibt es bei mir nicht. Ich will, dass meine Texte eher wie Musikstücke funktionieren, die über Motive und Leitthemen verfügen, aber nicht in einem Satz zusammen gefasst werden können. Wichtige Gegensatzpaare in »Über uns die Lichter« sind: Glück und Unglück, Jugend und Alter, sowie Ende und Neubeginn. In kleinen Episoden wird ein fragmentarischer Abriss durch unsere Gesellschaft gezeigt. Dabei soll der Blick auf Alltägliches geschärft werden. Das Stück soll mit einem Feuerwerk enden.

Über was schreibst Du sonst, oder wie würdest Du Deine Texte beschreiben?

Ich glaube, dass bei mir ein Text aus dem anderen wächst. So basiert etwa mein letztes Stück »Ich und die Weltmeere. Weil die Tür vom U-Boot klemmte« auf Interviewaufzeichnungen mit Wachmännern und in »Über uns die Lichter«, an dem ich eben gerade arbeite, hat die Sprache der Figuren auch eine ähnlich geformte Mündlichkeit. Andererseits wollte ich diesmal wieder eine vollkommen fiktive Geschichte erzählen, um mich von dem vorherigen Projekt mit dem Originalmaterial zu befreien. Allgemein habe ich eine große Liebe zu meinen Figuren, weshalb es bei mir auch keine Nebenrollen gibt. Vielleicht ist meinen Texten noch gemein, dass sie nah am Leben geschrieben sind; eben tragisch und komisch zugleich.

Was war für Dich das Besondere am Schreiben einer Keimzelle, also eines recht kurzen Theatertextes, der auch ausgeweitet werden soll?

Jeder Theatertext ist doch zunächst einmal eine Keimzelle, die wachsen soll. Das Besondere ist nicht die Arbeit am Text, sondern der frühe Zeitpunkt der Präsentation. Ich bin tatsächlich noch am Anfang mit der Arbeit an dem Stück und da bringt es schon ein gewisses Risiko mit sich, so früh damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Wenn ich mitten im Schreiben bin, bin ich sehr verwundbar. Ich freue mich auf die Präsentation, aber ich habe auch Angst.

 

Am Freitag den 29. Juni um 20 Uhr findet im Kleinen Haus die Wahl des Gewinners statt. Katharina Parpart und Tobias Gralke werden durch den Abend führen, musikalische Begleitung gibt es hingegen von der Maddis’son Brass Band. Aber auch Ihr seid gefragt: Keine Jury, sondern das Publikum bestimmt den Sieger! Wir freuen uns auf Euer Kommen!

 

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