»GOTTES KLEINER KRIEGER«: MUMBAI-TAGEBUCH#1
Die Vorbereitung für die Inszenierung von »Gottes kleiner Krieger« laufen auf Hochtouren! Am letzten Freitag ging es für unseren Regisseur Jarg Pataki auf große Reise: ins Herz Indiens, in die Metropole Mumbai. Was er dort erlebt und wie er sich an die neue Kultur herantastet und auf den Spuren des Protagonisten des Romans, dem kleinen Zia, wandelt, berichtet er im exklusiven Theaterblog-Tagebuch. Einmal täglich wird er hier 8 Tage lang seine Gedanken festhalten und uns mit Fotos versorgen.
Freitag: Abflug
Nun also ab nach Mumbai auf den Spuren Kiran Nagarkars Welt. In 8 Tagen soll ich in die Tiefen der 20-Millionen-Stadt eindringen, einen Theater-Workshop leiten und unser Gastspiel mit der Freiburger Produktion von »Gottes kleiner Krieger« vorbereiten. Überforderung als Thema!
Viel gelesen viel gehört, aber jetzt lass ich mich treiben…
Am Anfang ist man immer besonders rezeptiv. Erste Eindrücke: Noch am Flughafen in München in der Herren-Toilette 20 weiß gekleidete Muslime, die sich die Füße waschen. Sind sie auf dem Weg nach Mekka? Muss an die vielen Menschen denken, die dort jedes Mal zu Tode getrampelt werden, und wünsche ihnen innerlich Glück. Religion wird ja das Thema unseres Theaterabends, aber in ihrer politischen und psychologischen Dimension, das Spirituelle wird nur im Hintergrund aufscheinen, sich in der Frage nach der Spiritualität des gelebten Lebens an sich spiegeln.
Im Flugzeug ein junges Paar, eng aneinander geschmiegt, die Hände verschlungen, vertraut! Ein fast archetypisches Bild. Sie voll verschleiert, man sieht ihre Augen, sie wirken friedlich. Erinnere mich an ein Hotel, Siebzigerjahre-Stil, am Rande der Negev-Wüste, kleiner Ort, wie auf dem Mond, ein junger Mann, Kopf im Schoß seiner Frau, schläft friedlich, während sie ihm sanft die Haare streichelt und dem Sänger lauscht, beide in Uniform, die Gewehre lehnen am Sessel. Wie ähnlich sind wir uns doch und wie unterschiedlich unsere Lebensumstände!
In Mumbai am Flughafen. 4 Uhr morgens. Es ist heiß. Angenehm kühl meint mein Taxifahrer. Ansonsten ist er schweigsam. Wir fahren durch die recht leere Stadt. Der Flughafen liegt im Herzen der Stadt, trotzdem dauert die Fahrt zu meinem Hotel 40 Minuten. Ich versuche zu schauen, aber kriege kein Bild.
In der Hotelrezeption ist es dunkel. Mein Taxifahrer weckt zwei Männer, die mit Decke und Bündel am Boden schlafen. Ich werde ins Nachbarhaus geführt. Stolpere im Hof über einen schlafenden Mann, Security erfahre ich. Wo bin ich? Was erwartet mich morgen?
