FESTIVALS & THEMENSCHWERPUNKTE

 

EUROTOPIA

Ein Theaterabend von acht internationalen Künstlerteams

SA. 4.3. – Do.27.4.

Wie kann man Europa erzählen, demaskieren, zertrümmern, um es wieder neu zusammenzusetzen? Kann Europa angesichts seines aktuellen politischen Versagens, ökonomischer Stagnation und seiner Verwicklung in uns immer weiter einholende Kriege zu einem Labor werden für neues Zusammenleben? Wir brauchen Argumente quer durch Staaten, Milieus, Köpfe. Wieviel kollektive Einbildungskraft bringen wir noch auf jenseits eines ökonomisch bürokratischen Regelwerks? Das Theater Freiburg hatrenommierte internationale Theaterkünstler aus Belgien, der Türkei, dem Kongo, der Schweiz und Deutschland eingeladen, ihr persönliches, radikales Statement zu Europa zu formulieren. Diese Statements treffen an einem Abend auf der großen Bühne aufeinander. Die eingeladenen Künstler haben alle einen ganz spezifischen Bezug zu Europa, sie werden im Vorfeld der Produktion ausschwärmen im zeitlichen und räumlichen Sinn, reisen und verweilen, sie werden rücksichtslos Erfahrungen sammelnund Regeln brechen. Sie machen eine Kurzoper, Lecture Performances, Choreografien, künstlerische Videodokumentationen oder rasende Monologe. Am Ende entsteht eine leidenschaftliche Vermessung der Utopie: An welchem Haus können wir bauen, was kann Europa sein?

Statements von: Memet Ali Alabora (Türkei), Felicitas Brucker (Deutschland), Ruud Gielens (Belgien), Emre Koyuncuoglu (Türkei), Faustin Linyekula (Kongo), Jarg Pataki (Deutschland), Milo Rau (Schweiz), ORTREPORT & Meier/Franz (Deutschland, Österreich, Schweiz)

Wir spielen »Eurotopia« an vier Themenwochenenden, an denen wir mit verschiedensten Gästen debattieren. Das gesamte Programm findet ihr hier.

 

DEPOT ERBE

Ein TANZFONDS ERBE Projekt
Theater Freiburg & Museum für Neue Kunst

25.3.17 Tagung | Ausstellungseröffnung | late night performance
26.3. bis 1.5.2017 Ausstellung | Performance

»Ich war ganz zufrieden, entwurzelt zu sein, weil ich eben den Einfluss der Wurzel auf mich fürchtete. Als ich auf der anderen Seite war, gab es keinerlei Wurzeln, da ich in Europa geboren war. Ich befand mich in einem angenehmen Bad, weil ich ruhig schwimmen konnte, während man nicht ruhig schwimmen kann, wenn es zu viele Wurzeln gibt. Verstehen Sie?«
(Marcel Duchamp) 

Als Gertrude Stein einst gefragt wurde, ob sie im selbst gewählten Pariser Exil nicht die USA vermisse, antwortete sie: »Wozu hat man Wurzeln, wenn man sie nicht mitnehmen kann?« 70 Jahre später ist die Frage nach kulturellen Wurzeln aktueller denn je. Über 175 Millionen Menschen leben außerhalb ihres Heimatlandes, 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht vor Kriegen und Verfolgung. Emigration, Intensivierung der Menschen- und Geldströme, berufliches Nomadentum, Verdichtung der Verkehrsnetze und Massentourismus lassen neue transnationale Kulturen hervortreten, die zu Veränderungen und zu Verwerfungen von Identitäten, Ethnien und Nationalitäten füh

ren. Vor welche kulturellen Herausforderungen stellt uns Multikulturalismus als längst nicht mehr neue, aber sich stetig verändernde Bewegung? Können wir über transnationale

Gesellschaften nachdenken jenseits des Gedankens, ein Mensch sei primär Träger seiner Herkunft? Wie ist es inmitten dieser Fragen um die Relevanz von kulturellen Wurzeln bestellt? In deren Namen entwickeln sich Rassismus und traditionalistische Ideologien rasant und befördern Ausschluss, während sich mit jedem Migrationsstrom Phänomene von Entwurzelung häufen, die zur Verblassung zahlreicher Identitäten führen. In diesem kulturellen Zwiespalt nehmen obsessive Gedanken von Zugehörigkeit, Besitz und Abstammung erneut ihren Lauf.

Die Sparte Tanz & Performance und das Museum für Neue Kunst setzen sich mit hiesigen Abstammungslogiken auseinander und gründen ein Erbdepot, um kulturelles Erbe neu aufzuteilen.

Weitere Informationen und das Programm findet ihr hier.

 

ART OF THE CITIES

3. internationales Bürgerbühnenfestival
DO. 18. bis SA. 27.5.2017

Die »Bürgerbühnen« an deutschen Stadttheatern haben in den letzten Jahren eine große Erfolgsgeschichte erlebt. Theaterstücke, die von Laien unter professionellen Bedingungen entwickelt werden, brachten andere Themen und andere Formen auf die Bühne und sind ein Stück künstlerischer Zukunft des institutionalisierten Theaters geworden. In Freiburg gibt es zwar keine »Bürgerbühne«, dafür aber eine jahrelange Suchbewegung, w

ie man in allen Sparten, Schauspiel, Tanz und Oper, partizipative Inszenierungen und neue Formate anstoßen kann. Zeit also, als Gastgeber zu fungieren für zehn internationale Produktionen, die alle einen ganz

spezifischen Zugriff gewählt haben für ihre Geschichte oder ihr Thema, das an diesem Ort, mit diesen Menschen erzählt werden muss. Das Festival präsentiert neben Produktionen verschiedener »Bürgerbühnen« auch Produktionen anderer

Traditionen, wie britisches »Community Theatre«, oder es blickt nach Osteuropa und Griechenland, wo die politischen Verhältnisse ein neues politisches Handeln in Form von Theaterkunst förmlich erzwingen. Eine Plattform also für Entstehungsimpulse, Produktionswege und Formate. Besonders erwünscht: Beteiligung der Bürger!

Weitere Informationen findet ihr unter www.buergerbuehnenfestival.de


HUMAN TRADE NETWORK

Multinationale Recherche über Menschenhandel
DO. 22. bis SO. 25. Juni 2017

Theaterschaffende aus Ouagadogu, Bangalore, Bukarest/Sibiu und Freiburg stellen sich der Frage: Was ist ein Mensch wert? Denn im globalen Preiskampf werden Menschen verkauft oder zumindest gehandelt – prekäre Unternehmungen mit hohem Risiko und hohen Gewinnmargen. Die Strukturen umspannen die Welt, befeuert von Wohlstandsversprechen, Not, Ungleichheit und der unstillbaren Nachfrage nach »billiger Arbeitskraft«. Das »Human Trade Network« erprobt ein globales Theater mit einem Recherchenetzwerk zwischen Deutschland, Rumänien, Indien und Burkina Faso. Das Festival zeigt vier Theaterprojekte, die sich kooperativ auf
drei Kontinenten mit Ursachen, Strukturen, Dimensionen und Folgen von Menschenhandel und Arbeitsausbeutung auseinandergesetzt haben. Dazu gibt es Diskussionen und Expertengespräche: Hat alles, was einen Wert hat, auch einen Preis?

Weitere Informationen findet ihr hier.

Internationale Partner: Clemens Bechtel (Deutschland), Abhishek
Majumdar (Indien), Luca Fusi & Ildevert Meda (Burkina Faso), Gianina
Carbunariu (Rumänien)
Dramaturgie: Julia Reichert, Jonas Görtz
Organisation & Projektleitung: Ann-Christin Görtz

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes

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