WirLesen

»GOTTES KLEINER KRIEGER«: WIR LESEN!

Die Inszenierung »Gottes kleiner Krieger« hat zwar erst am 18. Mai 2013 Premiere, aber wir bereiten uns jetzt schon darauf vor. Und wie könnte man sich besser auf etwas vorbereiten, als ganz von vorne anzufangen, am Ursprung des Ganzen? Genau, wir lesen! Denn »Gottes kleiner Krieger« basiert auf dem gleichnamigen Roman von Kiran Nagarkar und der ist stolze 704 Seiten dick und da muss man ja wirklich früh anfangen um rechtzeitig fertig zu sein. [mehr]

Céline Akçag in der Rolle des Hänsel. Hinten: Aina Martin (Gretel)

Zwischen Realität und Fantasie – 4 Fragen an Céline und Martin aus »Hänsel und Gretel«

Ein Klassiker der Operngeschichte, junge NachwuchssolistInnen und eine Inszenierung, die ungewohnte Perspektiven offenbart: Diese Woche ist die Premiere von Engelbert Humperdincks Märchenoper »Hänsel und Gretel« in der Inszenierung von Alexander Schulin. Eine kammerspielartige Atmosphäre und das Abgleiten der Realität in düstere Fantasiewelten sorgen für Interpretationsspielraum. Die SolistInnenrollen sind mit Gesangsstudierenden der Hochschule für Musik Freiburg besetzt. Wir haben zwei von ihnen zum Gespräch getroffen: Celine Akçag (Hänsel) und Martin Peters (Peter der Besenbinder), die uns erzählt haben, warum die Oper heute noch aktuell ist und was die Freiburger Inszenierung besonders sehenswert macht:

Ihr kommt gerade aus vierstündigen Proben – was habt ihr heute erarbeitet?

Céline: Heute haben wir den Schluss gestellt, das war neu. Heute Abend kommt dafür der Chor dazu, und es spart viel Zeit, wenn wir unseren Ablauf dieser Szene schon ungefähr kennen. Außerdem haben wir Szenen wiederholt, die noch einen Feinschliff brauchten.

Martin: Gegen Ende der Probe haben wir nochmal den Ablauf vertieft, damit der sich besser setzt. Wir sind erst seit dieser Woche im Kleinen Haus auf der Bühne und im Vergleich zur Probenbühne sind jetzt natürlich einige Laufwege anders, so dass wir uns besonders vom Timing her gut abstimmen müssen.
Céline: Vor allem ist das Bühnenbild nicht ganz ungefährlich. Deshalb ist es gut, einige Szenen immer wieder durchzugehen, damit man verinnerlicht, wie schnell man sich tatsächlich bewegen kann, ohne irgendwo anzustoßen oder runterzufallen.

Céline, du singst die Rolle des Hänsel. Ist es ungewohnt für dich, eine männliche Rolle zu singen oder hast du das schon öfter gemacht?

Céline: In einer Produktion ist es tatsächlich das erste Mal, aber im Rollenstudium habe ich schon sehr oft ‘Hosenrollen’ gesungen, ich glaube, fast öfter als weibliche. Ich mache das auch sehr gerne.

Céline Akçag in der Rolle des Hänsel. Hinten: Aina Martin (Gretel)

Was ist das Besondere an der Freiburger Inszenierung und warum ist das Märchen eurer Meinung nach auch in der heutigen Zeit noch interessant?

Martin: Ich finde, besonders durch die Inszenierung von Alexander Schulin kommt nochmal eine ganz andere Ebene raus. »Hänsel und Gretel« ist ja eigentlich eine klassische Weihnachtsoper für Kinder, die oft als eine Art Wunderland inszeniert wird. In der Freiburger Inszenierung wird aber eben nicht einfach nur eine arme Familie gezeigt, die nichts zu essen hat, sondern dahinter wird eine weitere Ebene sichtbar, in der häusliche, sexuelle Gewalt thematisiert wird. Das zeigt sich auch in der Figur der Hexe und ihrer Wirkung: Es ist ja zum Beispiel ein Unterschied, ob ich als Darsteller reine Angst vor der Hexe ausdrücke, oder gleichzeitig auch von ihr fasziniert bin.
Céline: Unsere Hexe tritt in Gestalt eines Clowns auf und für die Zuschauer bleibt offen, ob hier ein verkleideter Mann oder ein Fabelwesen gezeigt wird. Die Inszenierung verschwimmt sozusagen zwischen Realität und Fantasie und es wird nie ganz klar, was wirklich passiert und was sich in der Einbildung der Darsteller abspielt. Hier kann man mehr als bei anderen Inszenierungen etwas hineinlesen. Dabei spielt das Bühnenbild eine große Rolle, das während der gesamten Aufführung vom Grundaufbau her unverändert bleibt. Das ist spannend, weil es wieder die Frage danach aufwirft, ob sich die wechselnden Szenen nicht vielleicht alle nur in den Köpfen von Hänsel und Gretel abspielen und diese sich dabei die ganze Zeit im elterlichen Wohnzimmer befinden.

Warum sollte sich eurer Meinung nach JedeR die Oper ansehen?

Martin: Fast jeder kennt das Märchen ja aus seiner Kindheit. Ich kenne auch viele, für die  die erste Oper war, die sie im Theater erlebt haben. Wir zeigen zwar immer noch das gleiche Stück, aber auf gewisse Art ist es neu. Der veränderte Blickwinkel, der in der Freiburger Inszenierung eingenommen wird, macht diese, denke ich, für jeden, der das Märchen kennt, sehenswert.
Céline: Ich finde es spannend, dass wir statt eines Orchesters zwei Klaviere als Begleitung haben. Dadurch haben wir jungen Sänger stimmlich viel mehr Spielraum, als wenn wir über ein Orchester kommen müssten. Außerdem bringt dieser Kammeroper-Charakter die Oper sehr nah ans Publikum, es ist ein intimeres Erlebnis, als man es von dieser Oper gewöhnt ist.

 

»Hänsel und Gretel« Premiere: Samstag, 17.06.2017, 20 Uhr, Kleines Haus.

 

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