Donnerstag, 22.06.2017 - 19:30 Uhr

Zaide / Adama

Oper von Wolfgang Amadeus Mozart und Chaya Czernowin
(Neufassung für Chor von Chaya Czernowin und Ludger Engels)

Einführung eine halbe Stunde vor Beginn der Vorstellung

Mit der letzten Premiere in der Spielzeit 2016/17 wollen wir die so wunderbar eigenwillige und doch stets aktuelle Theaterform Oper noch einmal intensiv hörbar und fühlbar machen. Alt und Neu, Tradition und Innovation, Musik und Szene, Sänger und Publikum – für alle und alles wird die Bühne der Treffpunkt für höchst bemerkenswerte Begegnungen sein. Zwei Orchester sitzen auf der Bühne und begrenzen die Spielfläche für die Sänger, das Publikum sitzt rundherum: eine Arena für die alte und neue Oper in ganz ungewöhnlicher Perspektive und besonderer Akustik.Im Zentrum steht ein Doppelwerk, das Mozarts Fragment gebliebenes Singspiel »Zaide« mit den suggestiven Klangwelten der israelische Komponistin Chaya Czernowin verkreuzt. »Zaïde« – 1780 komponiert und Fragment geblieben – kann mit seinen 15 musikalischen Szenen als Vorstudie zur »Entführung aus dem Serail« verstanden werden. 2006 erhielt  Chaya Czernowin den Auftrag der Salzburger Festspiele, anstelle der ursprünglich geplanten Sprechtexte eine musiktheatralische Antwort aus der Gegenwart auf Mozarts Entführungs-Studie zu geben: So kondensiert sie das Sehnen und Bangen eines Liebespaares, das Befehlen und Verzweifeln eines zurückgewiesenen Herrschers mit elf Szenen »Adama« (ein Wortspiel aus hebräisch »Mensch«, »Adam«, »Erde«) zur existenziellen Auseinandersetzung zwischen Frau, Mann und Vater. Gibt es noch eine gemeinsame Sprache, gibt es eine Lösung, ein glückliches Ende? Das orientalische Flair des späten 18. Jahrhunderts mit seiner Faszination für das West-Östliche und seiner Begeisterung für ein aufklärerisches Toleranz-Postulat lässt sich bei Czernowin auch als israelisch-palästinensischen Konflikt verstehen. Sprachlos, nur mehr lallend und stotternd sind sie alle geworden, die Frau, der Mann, der Vater. Der Emphase steht nun die Dialektik der Aufklärung gegenüber. Für Freiburg erarbeitet der Regisseur Ludger Engels eine erweitere Fassung des Doppel-Werkes, bei dem der Chor im besonderen Maße die Schnittstelle zwischen Tradition und Aktualität wird.

Can one only approach truth in fragments? Mozart’s musical comedy about the imprisoned lovers Zaide and Gomatz has remained a fragment. The Israeli composer Chaya Czernowin set a second autonomous narrative in the place of the missing dialogues. It is the story of an impossible love between an Israeli woman and a Palestinian – a delicate, introverted and tear-soaked attempt at intimacy. She is writing an elementary addition for Freiburg by adding a third level: a choir of Israeli and Palestinian voices that make clear why love is so difficult to live in social and political extremes.
  
  
  
  
  
  
  
  
  
Laure Meloy
  
  
  
  
  
  
Robin Adams
  
Annette Schönmüller
  
Patrick Ruyters
Philharmonisches Orchester Freiburg
Opernchor des Theater Freiburg
Statisterie des Theater Freiburg