Mittwoch, 10.04.2013 - 20:00 Uhr

Preparadise Sorry Now

Schauspiel von Rainer Werner Fassbinder

Fassbinders Bühnenstück skizziert eine gesellschaftliche Dystopie, in der der Wert des Einzelnen in einem radikalen Spiel um Macht und Unterwerfung ermittelt wird. Seine Figuren unternehmen Befreiungsversuche aus ihrem Gefühls- und Gedankenvakuum, indem sie mit den Extremen experimentieren. »Preparadise sorry now« kreist exemplarisch um ein Serienmörder-Paar das in England in den 1960er-Jahren Kinder und Jugendliche entführt, gefoltert, missbraucht und ermordet hat. Die beiden zelebrierten dabei ihr Handeln als Produkt einer existenzialistischen Philosophie, und inszenierten sich selbst als eine geistige Führungselite. Fassbinder verschränkt die Welt dieser beiden solitären Extremisten mit privaten, gesellschaftlichen und religiösen Alltagssituationen, in denen das Prinzip zwei gegen einen so lustvoll wie brutal von allen variiert wird. Das mal latent, mal offensiv Faschistoide in dieser Versuchsanordnung erinnert an unsere eigene Gesellschaft: In ihrer ganz normalen Mitte wurde die rechte Terrorzelle »Nationalsozialistischer Untergrund« nicht nur hervorgebracht, sondern über ein Jahrzehnt gekonnt gedeckt, verwaltet und unterstützt.

  
  
  
Cajus Ohrem