Freitag, 16.11.2012 - 20:00 Uhr

Someone else - PREMIERE

Physical Theatre von Gavin Webber
»Someone else« ist ein Tagtraum, ein schöner Gedankenraum, den man zum Beispiel im Morgengrauen betreten kann, bevor Konventionen und die Geschäftigkeit des Alltags die Kontrolle übernehmen. In diesem Raum kann man sich ganz der Ungewissheit überlassen, dass die Welt, so wie wir sie erleben und die Identität, die wir als stabil erklären, eine von uns konstruierte ist. In Erinnerungsfetzen begegnet mir da die Vielheit der Ichs, die ich in meiner Vergangenheit war. In der Phantasie kann ich noch unendlich viele andere entwerfen. Könnte ein anderer mich meiner wahren Bestimmung versichern oder wenigstens zeitgleich auf meiner Umlaufbahn kurven? Für den Choreographen Gavin Webber beginnt die Geschichte von »Someone else« zuallererst mit einem physischen Aufeinandertreffen von zweien: Freunden, Lovern, Gegenüber, Fremden. Die Grenzen, die Energielinien zwischen beiden sind aufgeladen, verlaufen aber unscharf. Wo ende ich und wo beginnt der andere? Das Fragen beginnt. Was kann Iggy Pop als Iggy Pop, nicht aber als Jim Osterberg, wie sein bürgerlicher Name lautet? Ist Thrill und Verwandlung crazy-Musikern vorbehalten? Fehlt uns eine Droge? Soll sich der Durchschnittsbürger zwischen Joberfüllung, Freizeitgestaltung und Verantwortung für die Familie nur minimale Abstecher im täglichen Vollzug des bürgerlichen Lebensentwurfs erlauben? Vielleicht ist das menschliche Denkvermögen einfach zu profan eingerichtet und wir müssen zurück zur Natur. Dort begegnen uns schließlich die wahren Experten der Metamorphose: Larven, Raupen, Schmetterlinge, Amphibien, Lurche. So steht der Mensch im großen Weltlauf – von Staub zu Staub – und kann mit Abstand und vielleicht ein bisschen Humor auf sein akutes Stillleben blicken.

„Überbordend von Ideenreichtum, schön anzusehen und hintersinning.“ (Kulturjoker)


„Webbers Stück ist something else. Mit zwei Tänzerinnen und zwei Schauspielern hängt es irgendwo zwischen Schauspiel und Tanz. Webber nennt es Physical Theatre. Wozu auch auf eine Kategorie festlegen, wenn es hauptsächlich darum geht, starke Bilder für Veränderungen zu erzeugen. Das gelingt Webber gleich mit der ersten Verwandlung. Wenn Alice Hinde die erste Plastiktüte öffnet, verwandeln sich sogar die Dinge in eine Art physische Poesie...“ (Badische Zeitung)