Eurotopia


EUROTOPIA
Ein Theaterabend von acht internationalen Künstlerteams

Premiere: SA 4. März 2017, Großes Haus

Wie kann man Europa erzählen, demaskieren, zertrümmern, um es wieder neu zusammenzusetzen? Kann Europa angesichts seines aktuellen politischen Versagens, ökonomischer Stagnation und seiner Verwicklung in uns immer weiter einholende Kriege zu einem Labor werden für neues Zusammenleben? Wir brauchen Argumente quer durch Staaten, Milieus, Köpfe. Wieviel kollektive Einbildungskraft bringen wir noch auf jenseits eines ökonomisch bürokratischen Regelwerks? Das Theater Freiburg hatrenommierte internationale Theaterkünstler aus Belgien, der Türkei, dem Kongo, der Schweiz und Deutschland eingeladen, ihr persönliches, radikales Statement zu Europa zu formulieren. Diese Statements treffen an einem Abend auf der großen Bühne aufeinander. Die eingeladenen Künstler haben alle einen ganz spezifischen Bezug zu Europa, sie werden im Vorfeld der Produktion ausschwärmen im zeitlichen und räumlichen Sinn, reisen und verweilen, sie werden rücksichtslos Erfahrungen sammelnund Regeln brechen. Sie machen eine Kurzoper, Lecture Performances, Choreografien, künstlerische Videodokumentationen oder rasende Monologe. Am Ende entsteht eine leidenschaftliche Vermessung der Utopie: An welchem Haus können wir bauen, was kann Europa sein?

Statements von: Memet Ali Alabora (Türkei), Felicitas Brucker & Arved Schultze (Deutschland), Ruud Gielens (Belgien), Emre Koyuncuoglu (Türkei), Faustin Linyekula (Kongo), Jarg Pataki (Deutschland), Milo Rau (Schweiz), ORTREPORT & Meier/Franz (Deutschland, Österreich, Schweiz)

Wir spielen »Eurotopia« an vier Themenwochenenden, an denen wir mit verschiedensten Gästen debattieren:

1. Themenwochenende: Das Europa der Städte
4./5. März 2017
Die Zukunft Europas liegt nicht in den Händen seiner Nationen, sondern seiner Städte. Nicht verordnete Einheit, sondern gelebte Differenz macht das Europa der Städte aus. Wir suchen nach neuen Möglichkeiten, Bürgerschaft zu denken, abseits von nationalen und imperialen Denkstrukturen. Schon heute bilden viele Städte Europas den Raum für unterschiedlichste Her- und Zukünfte, gelebte Utopien sozialer Gemeinsamkeiten. Welche Verantwortung tragen Europas Städte morgen, wie können und müssen wir sie gestalten, um den globalen Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein?

Mit: Prof. Dr. Benjamin Barber, Spiros Pengas, Dr. Dieter Salomon, Bart Somers, Prof. Dr. Saskia Sassen, Prof. Dr. Eric Corijn, Gideon Bioe, ORTREPORT

2. Themenwochenende: Der Blick von außen
10. bis 12. März 2017
Wenn wir Europa verstehen wollen, müssen wir es verlassen und Außenperspektiven zulassen.Die Suche nach einer möglichen Identität Europas ist nur sinnvoll, wenn sie die unangenehmenWahrheiten über Europa und sein Verhältnis zur Welt nicht vertuscht. Es ist der Blick von außen, der vermeintlich fremde Blick auf das Eigene, den wir suchen, um besser zu verstehen, was Europa heute ausmacht. Welche Sehnsüchte werden auf Europa projiziert, welche Feindbilder in Europa entdeckt?

Mit: Rachid Benzine, Faustin Linyekula, Andrei Kurkow, Natalia Voroschbit 


3. Themenwochenende: History revisited
30. März bis 2. April 2017
Europas Geschichte beschreibt einen langen Weg, der von Integration und Zerwürfnis gezeichnet ist, und das nicht erst in seinen formalen Zusammenschlüssen im Laufe des 20. Jahrhunderts. Aus der Erfahrung der Weltkriege heraus hat sich die Idee von Europa 1945 neu konstituiert. Dieser Existenzgrund der Friedenssicherung wird heute nicht mehr gewusst. Wofür brauchen wir Europa? Wir wollen neuralgische Punkte der Geschichte ansteuern, um Neudeutungen zu versuchen und radikale Utopien zu entwerfen.

Mit: Prof. Dr. Wolfgang Reinhard, Thomas Bellinck, Ralph Bollmann, Gerald Knaus, Prof. Dr. Manuela Boatcă 

4. Themenwochenende: Mythen, Fiktionen, Utopien
27. bis 29. April 2017
Das Ungesagte, das Ungedachte, die Tabus über Europa sind unser Ausgangspunkt. Wir überprüfen die etablierten Narrative Europas und suchen nach neuen Interpretationen, wir befragen die Meistererzählungen unseres Zusammenlebens: Freiheit, Kapitalismus, repräsentativeDemokratie. »Wie über Europa erzählen?« ist als Frage gleichwertig zu »Was über Europa erzählen?« Welche Erzählungen machen Utopien möglich, welche hohlen die Idee Europa aus?

Mit: Prof. Dr. Ulrike Guérot, Milo Rau

Bereits parallel zu den Proben für »Eurotopia« installieren wir in der Kammerbühne das »Europäische Hinterzimmer«, präsentieren Bonusmaterialien der vielfältigen dokumentarischen Recherchen, politische Debatten, Geheimverhandlungen mit Künstlern, offene Proben, inszenierte Plebiszite und das eigentlichePokerspiel um »Eurotopia«.

Künstlerische Gesamtleitung & Dramaturgie: Viola Hasselberg, Jonas Görtz, Jutta Wangemann

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und das Goethe-Institut


Das „Europäische Hinterzimmer“ und die Themenwochenenden entstehen in Zusammenarbeit mit: Katholische Akademie, Carl-Schurz-Haus, Centre Culturel Francais Freiburg, Literaturbüro Freiburg, Kommunales Kino, Radio Dreyeckland

How can you tell the story of Europe, damask it, destroy it and then reconfigure it? The Theater Freiburg has invited eight theater artists from Belgium, Turkey, Congo, Switzerland and Germany to formulate their own personal statement on Europe. The participating artists will swarm out beforehand – in a temporal and spatial sense. They will travel and linger; they will gather experience and break rules. In the end, it’s a passionate survey of utopia: what can Europe be?