Samstag, 09.04.2016 - 19:30 Uhr

Kaspar Hauser (UA) - PREMIERE

Oper von Hans Thomalla
Ein Auftragswerk des Theater Freiburg
Eine Koproduktion mit dem Theater Augsburg

Mit Unterstützung der TheaterFreunde Freiburg

Einführung: eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn

Im Mai 1828 wird ein junger Mann in Nürnberg zur Attraktion: Er taucht urplötzlich auf, bewegt sich sonderbar, gibt merkwürdige Laute von sich und wiederholt Gehörtes in seltsam verzerrter Sprache. Alle Versuche, das Geheimnis seiner Identität zu lüften, bleiben ergebnislos, wodurch er die perfekte Projektionsfläche für die Sensationsgier der Stadtbevölkerung bietet – eine Gesellschaft, die geradezu besessen davon ist, die Leere seiner Biographie zu füllen. Ohne Herkunft, Sprache und Zivilisation wird er zum Objekt, an dem Geschichte exerziert wird, zum Objekt medizinischer, pädagogischer und pseudowissenschaftlicher Experimente. »Diese Geschichte von Kaspar Hauser will ich selber schreiben«, beginnt der Mann, der sich Kaspar Hauser nennen wird, den Entwurf einer Autobiographie, deren Sprache zu diesem Zeitpunkt bereits so fremdbestimmt klingt, dass jede Spur einer eigenen Identität längst überschrieben ist. Mit dem Verstummen der Andersartigkeit widmet sich diese Oper einem gesellschaftlichen Phänomen, das heute noch genauso aktuell erscheint wie 1828. Ein Auftragswerk für Freiburg: Im April 2016 wird HansThomallas Oper »Kaspar Hauser« im Theater Freiburg zu ihrer Uraufführung kommen. Seine erste Oper »Fremd« über die Tiefenschichten des MedeaMythos’Schrieb der Komponist 2011 für die Staatsoper Stuttgart. Seine Freiburger Oper, gefördert von der renommierten Ernst von Siemens Musikstiftung, umkreist nun die ungreifbare Kreatürlichkeit Kaspar Hausers. Fasziniert von dieser Figur, die man heute als Medienphänomen beschreiben würde, destillierte Thomalla eine Textcollage aus den zeitgenössischen Quellen und Berichten. Er setzt damit Schlaglichter auf Aspekte des letztlich nicht erfassbaren Phänomens, wobei den Komponisten besonders zwei Momente reizten, die eine musikalische Version der Geschichte geradezu herausfordern: die existenzielle Leere der Identität Kaspar Hausers und deren Konsequenz für seine Sprache, seine Expressivität.

RAHMENPROGRAMM „Kaspar Hauser“:

ÖFFENTLICHE PROBE & WERKSTATTGESPRÄCH
MO. 4.4.16, 18 Uhr, Großes Haus

SZENISCHE LESUNG »KASPAR« von Peter Handke
SA. 16.4., FR. 22.4., SO. 8.5. & SO. 22.5.16
jeweils im Anschluss an die Vorstellung, Großes Haus

Nähere Infos finden Sie auch unter Kaspar Hauser bloggt!

Kompositionsauftrag von Theater Freiburg finanziert durch die Ernst von Siemens Musikstiftung   

  
  
  
  
  
  
Michael Acker
  
  
  
Philharmonisches Orchester Freiburg