Dienstag,
09.10.2012 - 20:00 Uhr
Warten auf Godot
Schauspiel von Samuel Beckett
Der protestantische Ire Samuel Beckett stand dem christlichen Glauben zutiefst misstrauisch gegenüber, da jener das Leid zu rechtfertigen versuchte. Dabei ging dem Autor, der sich im zweiten Weltkrieg im Widerstand engagierte und auch später für Verfolgte und Unterdrückte einsetze, Mitgefühl über alles. Seine Bücher und Stücke zeigen das Leben als sinnloses »Endspiel«, in dem der Mensch – zuweilen auf komischste Weise – versucht, seiner Existenz Inhalt zu verleihen. »Becketts Stücke haben die Eigenart von Panzerwagen und Idioten – man kann sie beschießen, man kann sie mit Cremetorten bewerfen: sie setzen ihren Weg gelassen fort« (Peter Brook). In »Warten auf Godot« warten zwei Männer an einer Landstraße auf ihre Rettung in Gestalt eines Herrn Godot, der nie eintreffen wird. Die Wortähnlichkeit von »god« und »Godot« ist eines der Gedankenspiele, die in dieser menschlichen Parabel durchdekliniert werden. Nach einer irren Serie von Streit, Versöhnung, Auflehnung, Gewalt, Resignation und Trost bleibt am Ende nur das Spiel des Menschen mit dem Menschsein übrig. Mit der Uraufführung, für die sich zunächst kaum Schauspieler fanden, wurde Beckett 1953 schlagartig berühmt – Beckett selber hätte gerne Charlie Chaplin und Buster Keaton für die Hauptrollen besetzt.